Schau hier, dieser tiefe Schacht. Und dort: Wie die Tropfsteinwand schimmert. Achtung, Kopf einziehen! Die geheimnisvollen unterirdischen Welten faszinieren. Sie zogen auch die nahezu 70 GZ-Leser in ihren Bann, die am Samstag die Laichinger Tiefenhöhle erkundeten.
Laichingen Den Auftakt der GZ-Leserausflüge dieses Sommers bildete am Samstagnachmittag die zig Millionen Jahre alte Laichinger Tiefenhöhle und das vier Wochen junge Karstmuseum. Das Museum im schmucken Neubau hat der Höhlen- und Heimatverein Laichingen eingerichtet, der auch die mit 55 Metern tiefste ausgebaute Schauhöhle Deutschlands betreut. Sie ist der Prototyp einer Schachthöhle, erläuterten die beiden Führer, Vereinsvorsitzender Rolf Riek und Ralf Hiller, den GZ-Ausflüglern.
Pullover und Anorak anziehen, Gamaschen anlegen, Taschenlampen im Anschlag: So bewegte sich die bunt gemischte Ausflüglertruppe in zwei Abteilungen langsam im Gänsemarsch hinab in die Tiefe der feuchten Höhle, in der immer acht Grad Celsius herrschen. Viele Steinstufen und rücklings über steile Leitern gings abwärts: Kinder und Erwachsene, Junge und junggebliebene Senioren nahmen gerne die insgesamt 630 Treppen in Kauf, um einen Einblick in die geheimnisvolle unterirdische Welt zu gewinnen.
Die Besichtigung ist dennoch komfortabel, verglichen mit den Verhältnissen, die ihre Erforscher meistern mussten. Der "Sand-Mack" hatte 1892 die Tiefenhöhle durch einen Zufall entdeckt: Der Weber Georg Mack aus Laichingen verdiente sich ein Zubrot, indem er Dolomitsand abgrub, den er als Scheuersand verkaufte.
330 Meter des Systems aus Gängen und vielen jäh abfallenden Schächten sind heute ausgebaut und ausgeleuchtet. Das Höhlenlabyrinth mit seinen Verästelungen und "Sackgassen" ist aber 1253 Meter lang, sein tiefster Punkt liegt 80 Meter unter der Erde. Wasser, das hier versickert, tritt nach 36 Stunden und 13 Kilometern am Blautopf ans Tageslicht.
Immer wieder senkrecht in die Tiefe fallende Schächte. Schmale Gänge öffnen sich plötzlich zu Hallen. Immer wieder bietet die Höhle dem Besucher unvermutet neue, spannende Eindrücke. Riesige Steinblöcke sind vor undenklicher Zeit in die große Halle hinabgestürzt. Millimeter um Millimeter bauen sich Tropfsteine zu glitzernden, oft rotbraun schimmernden Formationen (durch Eisenbestandteile) auf. Bizarre Strukturen regen die Fantasie an - hier wabenförmige Decken, dort Oberflächen wie ein Streuselkuchen.
Von vielen Faktoren hängt es ab, ob und wie "schnell" sich Stalagmiten und Stalagtiten aufbauen, erklärt Hiller. Im Albraum geht man von einem Durchschnitts-Wachstum von 0,5 bis 1,0 Millimeter pro Jahr aus. Für Geologen sind Höhlen aufgeschlagene Lehrbücher, über Gesteinsschichten, über die Entstehungsgeschichte der Erde. Wasser und Kalkstein sind die beiden Hauptverantwortlichen dafür, dass sich Tropfsteine bilden - aus der Ablagerung kalkgesättigten Wassers. Beide sind aber auch dafür verantwortlich, dass es überhaupt Höhlen gibt: Als sich die Alb auffaltete, bildeten sich Risse, in die Wasser eindrang. Wasser löst den weißen Jura, das Kalkgestein der Alb. Es schwemmte in Jahrmillionen riesige unterirdische Räume aus. Bis sich das Wasser einen Weg in tiefere Schichten freigrub: Aus einer Halle floss das Wasser ab, sammelte sich tiefer und machte sich dort "an die Arbeit".
Die Höhlenführer geleiteten die GZ-Ausflügler zudem durch das kleine, aber feine und lehrreiche Karstmuseum. Die Geologie der Alb, Werden und Vergehen von Höhlen, die Arbeitsweise der Höhlenforscher, das sind einige der Themen, die hier anschaulich aufbereitet werden. Auch, welche Tiere sich dem dunklen Lebensraum angepasst haben, erfährt der Besucher. Ins Auge stechen zum Beispiel ein monumentales Höhlenbär-Skelett (Kopie) und ein detailverliebtes Modell, das viele geologische Erscheinungen der schwäbischen Karstlandschaft auf und unter der Erde zeigt.
Der nächste GZ-Ausflug führt am Samstag nach Haigerloch: Restkarten in der GZ-Geschäftsstelle.
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