Aktuelles aus der Presse

Wanderer folgen dem schwarzen Mammut

Südwest Presse, Dienstag 2. Mai 2000

Eva Menner

Geschichte / Am 1.Mai die Höhlen des Aachtals abgeklappert

Beim Erlebniswandertag dem Ausgrabungs-Professor Nicholas Conard über die Schulter geschaut

"Folgen Sie dem schwarzen Mammut", lautete die Parole am Sonntag in Blaubeuren. Weit über tausend Wanderer waren beim 19. Erlebniswandertag des Lionsclub Blaubeuren unterwegs und folgten der mit dem schwarzen Mammut ausgeschilderten Route.


Blaubeuren "Zurück zu den Wurzeln" galt in zweierlei Hinsicht für den 19. Erlebniswandertag des Lionsclub Blaubeuren. Erstens standen wie früher wieder die Höhlen im Mittelpunkt, und zweitens führten die archäologischen Erläuterungen zu den Anfängen der Menschheit zurück.

15 Kilometer lang war der Rundweg, der von einer zur anderen Höhle des Aachtals führte. Für Familien mit kleinen Kindern war es zu weit. Aber Georg Hiller, Bürgermeister von Blaubeuren und am Startpunkt "Blautopf" für den Lionsclub im Einsatz, hatte einen Tipp: "Vom Hohlen Fels aus ist man gleich am Schelklinger Bahnhof und kann mit dem Zug zurückfahren."

Wer zur rechten Zeit am Blautopf startete, dem wurde ein besonderes musikalisches Erlebnis geboten. Der Mädchenchor aus Marganez in der Ukraine gab ein kleines Konzert mit Liedern und Tänzen. Der Chor ist gerade zu Gast beim Lionsclub Ehingen. Erste Station nach dem Start war das Urgeschichtliche Museum, wo die Wanderer sich auf die Höhlen einstimmen konnten. In der Brillenhöhle und im Hohlen Fels bei Schelklingen wurden Führungen von Archäologen der Universität Tübingen angeboten. Beim Geißenklösterle gab es nur am Fuße der Höhle Erläuterungen, denn die Höhle ist aus Naturschutzgründen gesperrt. Eine Mutter war enttäuscht darüber, während ihre Kinder gleich riefen: "Gott sei Dank". So blieb ihnen der schweißtreibende Aufstieg erspart.

Am Hohlen Fels waren Mitglieder der Schelklinger Museumsgesellschaft im Einsatz. Führungen wurden von Professor Nicholas Conard und Ulrich Simon angeboten. Simon ist als Führer für diese Höhle ideal, arbeitet er doch an einer Doktorarbeit über die dort gefundenen Steinartefakte aus der Zeit des Magdalenien.

Ältestes Musikinstrument

Conard erklärt den Besuchern die Geschichte der Ausgrabungen, die Funde und ihre Bedeutung. "In diesen Höhlen wurden die ältesten Kunstgegenstände und das älteste Musikinstrument der Welt gefunden", sagte Conard. Diesen Monat noch will der Professor wieder mit einer Ausgrabungskampagne beginnen und die Grabungen aus dem Gravettien abschließen.


Der Erlös des Wandertages ist wie in den vergangenen Jahren für das Urgeschichtliche Museum und soziale Zwecke bestimmt.