(Nicht ganz so) Aktuelles aus der Presse

In Laichingen fand die zweite Arbeitstagung der Schwäbischen Höhlenfreunde statt

Eine fruchtbare Begegenung von Laienforschern und Wissenschaftlern

Über 200 Tagungsteilnehmer

In unserer Montagausgabe haben wir bereits ausführlich über dle richtungweisende Tagung der Schwäbischen Höhlenfreunde am 22. Nov. in Laichingen berichtet. Ergänzend zu unserem gestrigen Tagungsbericht, bringen wir unternstehend noch einen Kommentar zu dieser im ganzen Land beachteten wichtigen Tagung, deren Durchführung dem Höhle- und Heimatverein und auch der Stadt Laichingen zu Ehre gereichte.
Die Redaktion.


Laichingen. Die Arbeitstagung wurde am Samstagmorgen von dem Vorstand des Höhle- und Heimatvereins Laichingen, Simon Schwenkedel eingeleitet, der in seinen Begrüßungsworten feststellte, Zweck dieser Tagung sei, Erfahrungen auszutauschen und die Verbindung von Laienforschung und Wissenschaft herzustellen. Dieser Gedankengang zog slch wie ein roter Faden durch die ganze Tagung.

Höhlenforscher und "Höhlebären" müssen Idealisten sein. Diese Binsenwahrheit dürfte jedem der über 200 Tagungsteilnehmer nach dem Referat des früheren Vorstandes des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereins Otto Baur bewußt geworden sein. Der verdiente Lalchinger Mtihepionier schilderte die Erschließungsgeschichte der Laichinger Tiefenhöhle. Die Wörter Opferbereitschaft und Idealismus wurden dabei groß geschrieben.

Gut gehalten haben sich die jungen Laichinger Höhleführer, welche am Samstagmorgen die zahlreichen Gäste zur vollen Zufriedenheit geführt haben. Selbst auf knifflige Fragen der Wissenschaftler wußten unsere auch geologisch gut geschulten Höhleführer Bescheid.

Ein weitgespanntes Arbeitsprogramm

Im Namen der Stadtgemeinde Laichingen begrüßte Bürgermeister Schwenkmezger, Laichingen, die Gäste. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß Laichingen zum Tagungsort gewählt worden ist und sprach unter dem Beifall der Tagungsteilnehmern den verdienten Laichilnger Höhlepionieren Otto Baur, Christian Lehmann und David Füllemann den öffentlichen Dank aus. Die Leitung der Tagung selbst lag in den Händen des Entdeckers der Bärenhöhle Karl Betz, Erpfingen.

Unser Bild von der zweiten Arbeitstagung der Schwäbischen Höhlenfreunde am 22. November in Laichingen zeigt von links nach rechts: Paläontologe Dr. h. c. Brunner, München, Geologe Abel, Salzburg, die Laichinger Höhleforscher Wilhelm Söll und Helmut Frank, Vorstand Simon Schwenkedel, Fledermausforscher Dr. Issel, München, Geologieprofessor Dr. Wagner, Tübingen, Albvereinsvorsitzender Georg Fahrbach, Landeskonservator Dr. Rieth, Tübingen, Professor Schwenkel, Ludwigsburg und Tagungsleiter Karl Betz, Erpfingen, der Entdecker der Bärenhöhle.

Kritik an der Lauter-Korrektion

In ausführtlicher Weise ging Professor Wagner auf die "Erdgeschichte der Laichinger Alb" ein. Der Referent vermittelte den Tagungsteilnehnern ein anschauliches Bild von der Entstehung der Alb, die vor 140 Millicnen Jahren noch Meeresgrund war und sich inzwischen um rund 800 m gehoben hat. Vor 120 Millionen Jahren verlief die Küstenlinie südlich Suppingen, Berghülen und Temmenhausen. Sie kann an Hand der gefundenen Bohrmuscheln leicht festgestellt werden. Auf Laichinger Markung müsse ein Marsee gewesen sein, von dem nichts mehr bekannt ist. Bei Kanalisationen und sonstigen Bauarbeiten müsse genau auf Funde geachtet werden. Laichingen habe das Glück in Rektor Oelhafen den erfolgreichsten Erforscher der Vulkanschtote zu haben. In temperamentvoller Weise nahm Professor Wagner auch zu aktuellen Problemen Stellung. Seine Feststeilung, daß die kostspielige Lauterkorrektion eine unnötige Verschandelung der Landschaft (BM Schwenkmezger: "Hört, hört!") sei, fand nicht die Zustimmung aller Tagungsteilnehmer. Drastisch war die Feststellung, daß auf der Alb Klärananlagen gebaut werden müssen, da die "Mistbrühe" die Trinkwasserversorgung der Talbewohner gefährde.

Professor Schwenkel forderte, daß bei Erschließung der Höhlen, dle er als Heiligtümer der Natur bezeichnete, möglichst wenig geändert wird. Das Abschlagen von Tropfsteinen aber auch allzu aufdringlich montierte Beleuchtung u. s. w. sei eine Schande für Kulturvölker.

Predigt von der Nützlichkeit der Fledermäuse!

In humorvoller Weise machte Dr. Issel die Tagungsteilnehmer mit dem Leben der Fledermäuse bekannt. Der Forscher, der in unserer Zeitung schon mehrmals zu Wort gekommen ist, forderte alle Naturfreunde auf, von der Nütztichkeit dieser Tiere zu predigen. Mit Gesetzen allein, könne die Gespensterfurcht und der Aberglauben nicht beseitigt werden.

Im Anschluß an das mit großem Beifall aufgenommene Referat erzählte Landeskonservator Dr. Rieth, Tübingen, eine nette Geschlchte "Hans Baldung Grien und die Fledermäuse"

Wie notwendig und wertvoll die Laienforschung sein kann, zeigte die Lebensarbeit von Uhrenmacher Georg Brunner, München, dem für bahnbrechenden Forschungen in der Paläontologie von der Universität Erlangen kürzlich die Doktorwürde verliehen wurde.

Lebhaft begrüßt wurde der österreichische Geologe Abel, der schon an der Höhletagung 1926 in Laichingen teilgenommen hat. Am Ende seines humorgewürzten Farblichtbildervortrags hat er die schwäbischen "Höhlebären" nach Österreich eingeladen, wo sie, wie sich Herr Abel launig ausdrückte, in "Eisbären" verwandelt werden sollten.

Richtungsweisende Worte des Vorsitzenden des Schwäblschen Albvereins bildeten den offiziellen Abschluß der Tagung, zu der sich u. a. auch Landrat Schwenk und Regierungsrat Dr. Buck, Münsingen, Bürgermeister Gerstenmaier, Urach, Bürgermeister Dreher, Erpfingen und die Schulräte Brendle, Münsingen, und Ziegler, Reutlingen eingefunden hatten.

Eine instruktive Ausstellung

Die Laichinger Höhleforscher Helmut Frank und Wilhelm Söll, die neben Vorstand Simon Schwenkedel den Löwenanteil an der Vorbereitung der gut organisierten Tagung zu bestreiten hatten, stellten eine instruktive Ausstellung zusammen, in der Bilder, Lagepläne und Funde aus sämtlichen schwäbischen Höhlen vertreten waren: Eine imponierende Leistungsschau der Laienforscher. Auch der Vorgeschichtler Fritz Sautter aus Zainingen und der Fledermausforscher Dr. Issel waren in dieser Schau vertreten.

Schwäbisches und Amerikanisches

Die Laichinger Tagung wurde durch ein echt laichingerisches Gedicht von Frau Angelika Käppeler, das Bärbel Käppeler in Laichinger Tracht treuherzig vorgetragen hat, in schwäbisch gediegener Weise eröffnet. In dem lobenswerten Bemühen, Bilder für das Archiv zu erhalten, wurde dann des Guten etwas zuviel getan. Der Einwurf von Landeskonservators Dr. Rieth, Tübingen, "Wie in Hollywood" traf den Nagel auf den Kopf und sollte künftig beherzigt werden.

Das Bleibende

Die Laichinger Tagung, die weit hinaus über die Landesgrenze große Beachtung fand - der französische Geologieprofessor Barone, Lyon, und die Schweizer Höhlegesellschaft sandten Grußtelegramme - brachte einen weiteren Fortschritt in der engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Laienforschung, die sich vor nicht allzulanger Zeit feindlich oder aber mindestens teilnahmslos gegenübergestanden sind. Nach einem Wort von Professor Wagner ließen die Wissenschaftler die Laien in ihre "Werkstatt gucken" und die Laienforscher berichteten von ihren Arbeiten, A~sgrabungen, Vermessungen und Funden. Von dieser zweiten Arbeitstagung der Schwäbischen Höhlenfreunde in Laichingen, die eine Beglückende Begegnung zwischen Laienforschern und Wissenschaftlern brachte, auf einem hohen Niveau stand und einen harmonischen Verlauf nahm, gingen wertvolle Anregungen und Impulse aus. In gemeinsamer Arbeit, das war das Faszit der zweiten Arbeitstagung, sollen alle Kräfte zusammengefaßt und aktiviert werden, um unsere schwäbische Höhlewelt zu erhalten und weiterhin zu durchforschen.


tr.