LAICHINGEN (ra). Vor knapp drei Jahren wurde die Laierhöhle in Geislingen-Weiler (Kreis Göppingen) entdeckt, mittlerweile zählt sie schon zu den bedeutendsten Karstobjekten der Schwäbischen Alb. So die Meinung von Geowissenschaftlern, die sich am Samstag in Laichingen mit Höhlenforschern zum 5. Symposium Verkarstung in Süddeutschland" getroffen hatten. Spannende Ergebnisse werden in den nächsten Jahren von dem möglicherweise bis zu 15 Millionen Jahren alten Karstobjekt erwartet, das sich in seinem bisher bekannten Gangverlauf unter der Ortschaft Weiler hindurch in Richtung Albtrauf zieht. Der Kahlensteiner Höhlenverein hat das unterirdische Labyrinth mit Schächten und Gängen bereits in eine Tiefe von 52 Metern vermessen und eine Gesamtganglänge von über 600 Metern ermittelt. Fortsetzungen", so Vorsitzender Dieter Domke bei der Vorstellung der Höhle am Samstag vor über 100 Höhlenkundlern und Wissenschaftlern, gibt es an allen Ecken und Enden" .
Der Geologe Wolfgang Ufrecht vom gastgebenden Höhlen- und Heimatverein Laichingen, der zusammen mit Otto Borngräber und Christof Harlacher unter anderem an der Altersdatierung dieser Höhle arbeitet, sprach denn auch von einem enormen speläologischen (höhlenkundlichen) Forschungspotential", das die Laierhöhle biete. Vor allem im Hinblick auf die landschaftsgeschichtlichen Entwicklungen im Bereich der Stubersheim Alb erhoffen sich die Wissenschaftler auch aus der Laierhöhle selbst und ihrem Inhalt wichtige Aufschlüsse.
Höhlenforscher und Geologen stehen zwar erst ganz am Beginn ihrer Arbeit Ufrecht: man kann sich geologisch herantasten" trotzdem gibt es schon recht interessante Ergebnisse, vor allem auch bezüglich der Lehmplombierung, die die Laierhöhle in längst vergangenen Zeiten erfahren hat. Und nachdem die Battenau", eine zwölf Quadratkilometer große Karstwanne, gar nicht weit entfernt von der Laierhöhle liegt, gibt es bereits Spekulationen darüber, daß diese Karstformation einst auf einen Schlag Wasser und Schlamm über bestehende Teile des Höhlensystems in Richtung Fils entwässert haben könnte, so ungefähr, als ob man an einer Badewanne den Stöpsel gezogen hätte.
An den drei Generationen von Sinterschichten, die übereinander in der Höhle aufgebaut sind, an Gesteinsverwerfungen und Faltungen sowie an den Sedimenten, die sich im Höhleninneren abgelagert haben, erhalten die Wissenschaftler erste Anhaltspunkte für ihre Überlegungen. Entsprechende Sinterdatierungen wurden bereits nach Kanada in Auftrag gegeben und sollen weitere Erkenntnisse erbringen.
Darüber hinaus ist aber auch die Umgebung der Höhle von größtem Interesse für die Forscher. Ausgehend von der Hausener Wand, den Schichtfolgen an der Weiler Steige und den Erkenntnissen über Kuppenalb mit Nagelfluh bis hin zu den Resten der Ur-Lone wird alles bisherige Wissen in die Forschungen miteinbezogen. Der Höhleneingang, im Juni '96 bei einem Hausbau nahe des Weilener Trinkwasserbehälters in 685 Meter Höhe entdeckt (wir berichteten bereits ausführlich), liegt vermutlich im Weißjura Delta oder Epsilon, wagen die Wissenschaftler bereits zu sagen.
Die Höhlenforscher mit ihrer Arbeit direkt am Objekt sind zu wertvollen Datensammlern für die wissenschaftliche Arbeit geworden. Ein direkter Austausch der Erkenntnisse und über den neuesten Forschungsstand ist deshalb besonders wichtig, was Ufrecht am Samstag in Laichingen auch als Ziel der im Vierjahres-Turnus stattfindenden Symposien umriß. Darüber hinaus, so Ufrecht, solle es zur Entwicklung von Forschungsprojekten kommen, die möglichst von Höhlenforschern und Geowissenschaftlern gemeinsam getragen werden". Die Laierhöhle dürfte ein positives Beispiel dafür sein.
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