Aktuelles aus der Presse

5. Symposium "Verkarstung in Süddeutschland"

Autor: Michael Rahnefeld

LAICHINGEN (ra). Über 100 Höhlenkundler und Geowissenschaftler haben sich am Samstag in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) zum 5. Symposium "Verkarstung in Süddeutschland" getroffen. Dabei stand die Vermittlung und Diskussion des aktuellen Forschungsstandes neben der Darstellung geowissenschaftlicher Untersuchungen im Mittelpunkt der Tagung. Neues gab es auch zu Blautopf und zur Laierhöhle bei Geislingen/Steige.

Spielen möglicherweise Bakterien im Verkarstungsprozess eine Rolle? Wie kam es zur Lehmverfüllung der Laierhöhle bei Geislingen-Weiler? Was läßt sich anhand der Pollenanalyse über die Verkarstung im Muschelkalk und Gipskeuper von Hohenlohe erkennen? Wie sieht es mit dem Grundwasserhaushalt und der Verkarstung in der Südlichen Frankenalb aus? Fragen über Fragen, die sich nicht nur Wissenschaftler stellen, sondern auch Höhlenforscher. Letztere sind in den letzten Jahren mit ihrer Arbeit direkt am Objekt zu wichtigen Datensammlern für die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen geworden. Am Samstag kam es in Laichingen einmal mehr zum direkten Austausch zwischen Höhlenkundlern und Wissenschaftlern, was der Geologe Dr. Wolfgang Ufrecht vom veranstaltenden Höhlen- und Heimatverein Laichingen auch als Ziel der im vierjährigen Turnus stattfindenden Symposien umriß. Darüber hin-aus, so Ufrecht, solle es zur Entwicklung von Forschungsprojekten kommen, die "möglichst von Höhlenforschern und Geowissenschaftlern gemeinsam getragen werden".

Von besonderem Interesse für hiesige Höhlenkundler: Der jüngste Stand der Forschungsarbeit im Blautopf bei Blaubeuren sowie erste Ergebnisse zur erst 1996 entdeckten Geislinger Laierhöhle. Neben der detaillierten Vermessungsarbeit im Blaubeurer Quelltopf, der sich seit 1997 eine neunköpfige Forschergruppe (Arge Blautopf) um Jürgen Bohnert widmet, spielen bei der Forschung an dieser Karstquelle derzeit vor allem geologische und mikrobiologische Untersuchungen eine bedeutsame Rolle. Als Stichwort nannte Bohnert in Laichingen den Begriff "Biofilm". Er wird durch Mikroorganismen gebildet, die sich auf den unter Wasser liegenden Höhlenwänden niederschlagen. Die Höhlentaucher und Wissenschaftler wollen jetzt mit modernster Labortechnik untersuchen, welche Spezies in diesen Biofilmen vorhanden sind und welche Rolle sie möglicherweise bei der Verkarstung spielen.

Ebenfalls neu in der Blautopf-Forschung ist der Einsatz von sogenannten Rock-Tablets. Diese exakt vermessenen Kalksteine ­ an unterschiedlichen Stellen in der Höhle ausgelegt ­ können anhand ihrer Größenveränderung nach einer gewissen Zeit genauen Aufschluß über die Kalkabtragung durch Erosion oder Strömung in Karstobjekten geben, wobei wiederum Altersbestimmungen erleichtert werden.

Spannende Ergebnisse werden in den nächsten Jahren auch vom Albtrauf bei Geislingen/Steige (Kreis Göppingen) erwartet. Die Laierhöhle, laut Ufrecht mittlerweile "eines der bedeutendsten Karstobjekte der Alb" und eventuell bis zu 15 Millionen Jahren alt, bietet nach einhelliger Meinung der Geo-Experten ein "enormes speläologisches (höhlenkundliches) Forschungspotential". Bis jetzt auf eine Tiefe von 52 und eine Länge von über 600 Metern erforscht ­ Fortsetzungen an allen Enden ­ bietet die Schachthöhle wichtige Aufschlüsse zur landschaftsgeschichtlichen Entwicklung. Vor allem in Verbindung mit der "Battenau", einer nicht weit weg lie-genden zwölf Quadratkilometer großen Karstwanne, Resten des Urlone-Tales und der bekannten Hausener Wand bei Bad Überkingen.