Aktuelles aus der Presse

Forschungen im RÜB-Schacht noch lange nicht abgeschlossen

Von Laichingen unterirdisch zum Blautopf?

70 Prozent der Höhlen im Stadtgebiet sind durch einen Kanaldeckel erreichbar

Im RÜB-Schacht sind die Forscher des Höhlen- und Heimatvereins derzeit alle zwei Wochen unterwegs. Denn ein vor drei Monaten entdeckter neuer Teil der Höhle hat Hoffnung geweckt: Noch nie waren die Forscher so nah dran am Einzugsgebiet des Blautopfs.

Werner Gallbronner

Laichingen So großes Interesse hatten die Leute des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen nicht erwartet: Mehr als 80 Menschen drängten sich im Rasthaus Tiefenhöhle, um sich den mit eindrucksvollen Dias bebilderten Vortrag über die Höhlen in der Heinrich-Kahn-Straße anzuhören. Stühle hatten am Ende nicht mehr Platz, ein guter Teil der Besucher mußte stehen. Gelockt haben vor allem die neuen Erkenntnisse über den RÜB-Schacht: Was ist dran am Traum vom Zugang zum wassergefüllten Höhlensystem des Blautopfs?

Höhlenerkundungen in Laichingen beginnen meist mit dem Abstieg durch einen Kanalschacht. "70 Prozent der 22 Höhlen sind durch einen Kanaldeckel erreichbar", sagte Armin Schmid. So ist es auch mit den Höhlen in der Heinrich-Kahn-Straße: dem 1901 entdeckten Fabrikschacht (lange benutzt für die Ableitung von Industrieabwasser), dem Oskarschacht (1956 entdeckt von einem Bauarbeiter gleichen Vornamens) und dem RÜB-Schacht, der beim Bau des Regenüberlaufbeckens (RÜB) 1995 angeschnitten wurde.

"Die waren am 17.11.95 mit den letzten Baggerschaufeln beschäftigt, dann ist was runtergebrochen", sagte Schmid. Was der Bauleitung gar nicht recht war, kam den Höhlenforschern sehr gelegen. Noch am gleichen Nachmittag, einem Freitag, sind sie eingestiegen und haben in einer Blitzaktion die Höhle vermessen. 39 Meter Tiefe und 120 Meter Gesamtlänge der Gänge stellten sie schon damals fest. Grund genug, die Stadt zu bitten, den Eingang zu sichern. Die Kommune kam dieser Bitte auch bereitwillig nach.

Die Höhlenkundler gehen davon aus, daß es Verbindungen zwischen Oskar-, Fabrik- und RÜB-Schacht gibt und so ein ganzes Höhlensystem existiert. Hinweise dafür haben sie gefunden. "Die Form eines Gangs im RÜB-Schacht ähnelt einer im Fabrikschacht sehr", sagte Richard Frank, der sich im Vortrag mit Schmid abwechselte. "Auch die Richtung stimmt." Nur sei der Gang mit Lehm verschüttet. Wie dick die Lehmschicht sei, wisse man nicht.

Die Hoffnungen auf einen Zugang zum Blautopf hat eine Exkursion am 25. Oktober vergangenen Jahres geweckt, anläßlich der Speläo-Südwest in Heroldstatt, einem Treffen südwestdeutscher Höhlenforscher. Der schlanke Matthias Lopéz-Correa aus Grabenstetten stieg durch einen vier bis fünf Meter langen Schluf - ein schmales Loch, durch das die Laichinger nicht durchgekommen waren - und entdeckte den neuen Teil der Höhle. Daß es ihn gibt, vermuteten die Forscher. "Ich habe dort früher mal den Kopf reingesteckt und gehört, daß es ziemlich hallt", sagte Frank.

Auf 79 Meter Tiefe stießen die Höhlenkundler bei ihren mittlerweile 14tägigen Exkursionen vor und haben einige hundert Meter neue Gänge vermessen. Bemerkenswert seien der Betonschacht (wegen Betonschlieren auf den Steinen, die wohl beim Bau des RÜB entstanden sind), eine Tropfsteinwand und die Tennisballkluft (dort wurden unter anderem Tennisbälle gefunden). In 45 Metern Tiefe höre der Lehm plötzlich auf, sagte Frank. Kies liege auf dem Boden.

Erkundungen dort unten sind nicht ganz ungefährlich. Denn in 70 Metern Tiefe beginnt die Hochwasserzone. Wenn bei starkem Regen oben das RÜB überläuft, saust das Wasser durch den Oskarschacht in den RÜB-Schacht, der zum Teil darunter gelagert ist. Wer dann unten ist, kann ertrinken.

In der Hochwasserzone geht nach einer Engstelle - dem Briefkasten - ein Gang weg, der langsam im Wasser versinkt. "Man müßte mal mit Neoprenanzügen versuchen, ob man weiterkommt", sagte Frank. Entweder komme kilometerweit Schlamm, vielleicht aber auch nach ein paar Metern eine Halle. Der Geologe Dr. Wolfgang Ufrecht zeigte anhand von wasserstauenden Erdschichten, Kluft-, Gang- und Entwässerungsrichtungen, daß der Zugang zum Blautopf möglich sein kann. Frank: "Wir hoffen, einen wasserführenden Gang zu finden, oder noch besser: einen Fluß. Wir waren noch nie so nah dran am Einzugsgebiet des Blautopfs."

Info

Oskarschacht: Gesamtlänge aller Gänge (GL) 54m, Vertikalerstreckung (VE, Differenz zwischen höchstem und tiefstem Punkt der Höhle) -19m;
Fabrikschacht: GL 305m, VE -56m;
RÜB-Schacht: GL 340m, VE -79m, damit drittiefste Höhle der Schwäbischen Alb.