Aktuelles aus der Presse

Der alte Traum vom Weg zum Blautopf

Höhle unter RÜB tiefer als angenommen

Südwest Presse 11.01.1999

GEOLOGIE / Forscher entdecken neue Gänge

Irmi Städele

Der alte Traum schwäbischer Höhlenforscher könnte in Erfüllung gehen. Vom Schacht unter dem Laichinger Regenüberlaufbecken aus scheint der Abstieg in das wassergefüllte Höhlensystem unter der Alb möglich.

LAICHINGEN "Wir sind so nah dran wie noch nie", schwärmt Richard Frank. Der Laichinger Höhlenforscher hält es für möglich, daß "der ewige Traum" von der Verbindung zum Blautopf wahr wird. Schlüssel dazu ist die 1995 in Laichingen entdeckte Höhle unter dem Regenüberlaufbecken (RÜB) in der Heinrich-Kahn-Straße. Mitglieder des Laichinger Höhlen- und Heimatvereins haben bei Erkundungen im vergangenen Oktober entdeckt, daß die Höhle tiefer und größer ist als zunächst angenommen.

Für die Höhlenforschertagung in Heroldstatt hatten die Laichinger einen Abstieg in den Schacht organisiert, der 1995 beim Bau des Regenüberlaufbeckens (RÜB) entdeckt worden war, berichtet Frank. Die Gruppe hatte den Schacht damals vermessen: 37 Meter tief und 120 Meter Gänge war das Ergebnis. Bei dem neuerlichen Abstieg entdeckten die Höhlengänger ein kleines Loch, das sie vor vier Jahren nicht gesehen hatten. "Da könnte es weiter gehen", vermuteten sie.

Am Abstieg im Oktober nahm auch Matthias Lopèz-Correa teil, ein schlanker Kollege vom Grabenstetter Höhlenverein, wie ihn Frank beschreibt. Ihm gelang es, durch das schmale Loch zu schlüpfen. Er bestätigte, daß es von dort aus weitergeht.

Seither erkundeten die Laichinger etwa alle zwei Wochen die neuen Gänge und Schächte. Richard Frank möchte noch keine Details verraten, außer, daß das System sich grob dreimal soweit ausdehnt wie zunächst vermessen. Der Schacht ist damit die drittiefste Höhle der Alb. Die Forscher halten einen Zugang von der Karstwasseroberfläche in ein wassergefülltes Höhlensystem durchaus für möglich ­ das könnte den Vorstoß zum Blautopf bedeuten, zumal die geologischen Voraussetzungen dafür Frank zufolge stimmen.

Die Höhlenforscher wollen ihre Ergebnisse in einem Diavortrag vorstellen, und zwar am Donnerstag, dem 14. Januar, im Rasthaus Tiefenhöhle. Beginn ist um 20 Uhr.