Der Hohle Fels

Bernhard Mangold und Andreas Pöhler

Es mögen einige tausend Menschen gewesen sein, die am 4. September zum Hohler-Fels-Fest nach Schelklingen kamen. Alle wollten die große Halle im Felsen sehen, die jährlich einmal elektrisch beleuchtet ist. Sie wurden nicht enttäuscht, denn dieser Raum ist wirklich gewaltig. Dazu kam noch, daß in der Höhle die Gesangsvereine von Schelklingen und Ehingen ihre Stimmen ertönen ließen. Hier zuzuhören bei der eigenartigen Akustik wurde zum Erlebnis.

Der Hohle Fels bei Schelklingen, 1,8 km NO vom Bahnhof Schelklingen auf der SW-Talseite des Achtals (528 m NN), ist eine recht eigenartige Höhle. Über sie wurde schon sehr viel geschrieben, aber eigentlich ist nicht allzuviel davon zu gebrauchen. Kyrle (1923) schrieb richtig in "Theoretische Speläologie ".

Die Hohlefelshöhle bei Schelklingen liegt wenige Meter über dem Lauf der Ach nahe bei der Sirgensteinhöhle und ist öfters von Hochwässern heimgesucht worden. Der hallenartige Raum der Höhle enthält keine Altpaläolitischen Schichten, offenbar deshalb, weil die Höhle erst in der jüngeren Dilivuialzeit frei vom Wasser wurde. Die gehobenen Artetakte, über deren Lage verläßliche stratigraphische Aufzeichnungen nicht vorliegen, werden der Aurignac- und Magdalénienzeit zugeteilt.

0. Fraas und J. Hartmann haben in den Jahren 1870/71 in der Höhle gegraben und Glätter aus Bärenrippen sowie durchbohrte Wildpferdzähne, Speerspitzen und einige Steingeräte gefunden (Bleich 1963).

Die Höhle selbst besteht eigentlich nur aus einer mächtigen Halle mit zwei kleineren Nebengängen und dem Hauptgang als Zugang zur Halle. Der Name Hohler Fels läßt darauf schließen, daß der Fels hohl sei. Vielfach wurde auch geschrieben, der Hohle Fels gleiche einem hohlen Zahn, was aber mit unserer Vermessung 1966 widerlegt wurde. So ist der Hohle Fels gar nicht hohl, sondern der dahinterliegende Berghang beherbergt die Halle. Bei der Vermessung der Höhle sind wir davon ausgegangen nicht nur die Lage der Höhle zu ermitteln, sondern such ihr Verhältnis zum Fels. So galt unsere 1. Vermessung dem Felsen und dem Hang.

Der Fels hat eine größte Höhe P 85 von 29,6 m über dem Eingang. Die Umrisse des Felsen sind von P 1 - P 14 - P a. Der Zugang der Halle P I bis P IV = 28,7 m liegt auf der Ostseite des Felsen, d.h. die Ostwand des Felsen bildet die Westwand des Ganges. Die tektonisehe Spalte, die auf der Westseite des Felsen von P 11 bis P 84 zu sehen ist, hat eine Raumerweiterung bei P III ermöglicht. Die Halle selbst beginnt erst hinter dem Fels und nur der verhältnismäßig kleine Gang P V bis Va ca. 15 m führt unter die Südseite des Felsen.

So ist der Felsen selbst gar nicht hohl. Die Halle liegt SO vom Felsen. Der linke Gang P XII bis P XIII fällt leicht ab und endet nach 17 m in zähem Zehm. Die Halle selbst ist wirklich gewaltlg. In der Hypotenuse 39 m lang, hat eine größte Breite von 29 m P VII und P X. Die größte Höhe beträgt 23,4 m über dem Eingang. Die schwächste Stelle zwischen Hallendeeke und Hang beträgt 6 m.


Der eingescheeamte Hang hat eine Steigung von durchschnittlich 23°. Der Kubikinhalt der ganzen Höhle einschlieBlich Gänge beträgt errechnet 5928 Kubikmeter. H. Frank schrieb in "Dunkle Portale" von der größten Halle einer Albhöhle, was allerdings nicht bewiesen ist, denn es müssen noch zwei Hallen in anderen Höhlen überprüft werden.

Zur Vermessung wurde ein Aristo Klein-Theodolit verwendet, der sich ausgezeichnet bewährt hat. Die Genauigkeit beträgt 1/10, Grad in Seite und Neigung,

Die große Halle ist fast ausschließlich korrosiver Bildung und dürfte durch das Wasser, das in die Höhle von unten und in ständigem Wechsel eindrang, gebildet worden sein. So ist such der eingeschwemmte Hang erklärbar.

Tropfsteinvorkommen sind nicht vorhanden, dafür aber umsomehr Montmilch. Dies erklären wir dadurch, daB die Höhle verhältnismäßig warm ist und einen hohen Luftfeuchtigkeitsgehalt hat. (Die Messungen in den verschiedenen Jahreszeiten sind noch nioht abgeschlossen.) Durch den tiefgelegenen Eingang kann zwar Warmluft einströmen, aber nicht hinaus, sie bleibt also in der Halle. Die Speläognostik der Höhle wollen wir jedoch noch genauer untersuchen.