Letzte Tafel Virtuelle Tour - Übersicht Nächste Tafel Logo

"Höhlenforschung ist Sport im Dienste der Wissenschaft"

(Norbert Casteret 1897-1987)


Bild: Edouard Alfred Martel steigt 1895 in den 100 m tiefen Schacht Gaping Gill (Yorkshire, GB)
Originalbild: Mary Evans Picture Library
Bild: Mit einer Akkubohrmaschine wird in der Dellerklapfhöhle (Totes Gebirge, Österreich) ein unerforschter Abgrund erschlossen.
Aufnahme: Andre Abele

Schon immer übten Höhlen auf Menschen eine große Faszination aus. Am Anfang dienten sie vor allem als Schutz- und spiritueller Raum. Erst spät begann sich die Wissenschaft für die Phänomene des unterirdischen Karstes zu interessieren.


"Die ältesten noch erhaltenen Pläne stammen aus dem 17. Jahrhundert, doch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man systematisch Höhlen bei der Erforschung zu vermessen. Einer der Pioniere war der Franzose Alfred Martel, der oft auch als Vater der modernen Höhlenforschung angesehen wird.


Für die Vermessung von horizontalen Höhlen wurde häufig ein Heft gebraucht, welches man jeweils mit Hilfe eines Kompasses nach Norden ausrichtete. Dann zeichnete der Erforscher die Höhle so, wie sie ihm erschien. Die Längen wurden zum Teil geschätzt, zum Teil mit einem Maßband oder einer Schnur gemessen, welche in regelmäßigen Abständen einen Knoten aufwies. In Schachthöhlen benützte man im allgemeinen einen Kompass und einen meist selbst hergestellten Neigungsmesser.


Obwohl man nicht verallgemeinern soll, kann man sagen, dass die ersten Pläne oft ungenau, die Längen und Höhenunterschiede häufig übertrieben waren. Schuld daran war sicher auch die schlechte Ausrüstung. Nur mit Stoffanzügen bekleidet, waren die Forscher oft durchnässt und nach langen Entdeckungsfahrten übermüdet. Schachttiefen wurden meist gemessen, indem man die Anzahl der Leitern zählte. Auch diese Methode führte zu einer Überschätzung. Sie fiel aber nicht weiter auf, da sie mit dem Eindruck, den man von einem tiefen Schacht hatte, völlig übereinstimmte.


Gegen Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts setzten sich die modernen Methoden der Höhlenforschung durch, gleichzeitig wurden das Material und die Verfahren der Vermessung weiterentwickelt. Die bessere Ausrüstung erleichtert dem Höhlenforscher nun den Aufenthalt in der Unterwelt; er kann sich länger mit der Vermessung beschäftigen. So werden die Pläne immer genauer und wirklichkeitsgetreuer."


Entnommen aus: Höhlenvermessung, Yvan Grossenbacher 1992