In dieser Region einer Höhle herrschen das ganze Jahr über konstante Lebensbedingungen. In den Höhlen der Schwäbischen Alb liegt dort die Temperatur bei ca. 8°C und die Luftfeuchtigkeit bei 95 bis 98%. Der Nahrungstransport erfolgt durch Spalten und Klüfte, welche die Tiefenregion über oft große Distanzen mit der Außenwelt verbinden. Daher herrscht in der Tiefenregion in der Regel Nahrungsknappheit. Hier leben fast ausschließlich die so genannten echten Höhlentiere oder Eutroglobionten.
Die Tiere dieser Gruppe können aufgrund ihrer Anpassung den Lebensraum Höhle nicht mehr verlassen. Sie sind zum einen gekennzeichnet durch deutliche Rückbildung oder vollständiges Fehlen der Augen, zum anderen besitzen sie meist eine dünne Haut ohne Farbpigmente.
Weitere typische Merkmale der echten Höhlentiere sind stark ausgeprägte Tastorgane in Form von langen Beinen, Fühlern und Tasthaaren.
Zu den echten Höhlentieren zählen eher unscheinbare Bewohner, wie der zu den Urinsekten gehörende Doppelschwanz Plusiocampa dobati. Es dringen aber auch Tiere aus der Gruppe der Troglophilen, z.B. überwinternde Fledermäuse, bis in die Tiefenregion vor.
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| Bild: Zackeneulen. Nach einer Aufnahme von Manfred Schäffler |
Die Zackeneule (Scoliopteryx libatrix) ist ein Nachtschmetterling der Laubwälder Mitteleuropas. Sie zählt zu den wenigen Schmetterlingsarten, die als erwachsene Tiere überwintern. Dies tun sie regelmäßig in Höhlen. Länge des Schmetterlings in Ruheposition 2,1 bis 2,3 cm.
Im Jahr 1831 wurde durch Zufall in der Adelsberger Grotte, im heutigen Slowenien, der blinde Höhlenkäfer (Leptodirus hohenwarti) entdeckt. Aufgrund von Besonderheiten im Körperbau hat man damals erkannt, dass es sich um ein echtes Höhlentier (Troglobiont) handelt. Dieser Käfer ging so als erstes unterirdisches Landtier in die Geschichte der Höhlenforschung ein.
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| Bild: Pseudoskorpion-Präparat. Aufnahme: Jochen Duckeck |
In den Alpen gibt es eine Reihe von Pseudoskorpionen, welche ausschließlich in Höhlen vorkommen. Die hier gezeigte Art Neobisium aueri kommt nur in den Höhlen des Toten Gebirges im Salzkammergut vor. Deutlich sind die typischen Merkmale eines echten Höhlentieres zu erkennen: verlängerte Gliedmaßen und ein bleicher, pigmentloser Körper.
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| Bild: Doppelschwanz Plusiocampa dobati Zeichnung: C. Förster |
Der 8 mm lange Doppelschwanz Plusiocampa dobati zählt zu den flügellosen Urinsekten. Die verborgene Lebensweise hat dazu beigetragen, dass diese Tierart in Deutschland erst in den 1960er Jahren entdeckt wurde, und zwar in Höhlen der Schwäbischen Alb.
Einige der echten Höhlentiere leben ständig im unterirdischen Wasser. Sie besiedeln dort alle für sie erreichbaren Hohlräume. Diese Tiere werden daher auch als Grundwassertiere bezeichnet. Das Wissen über diese Tiere stammt fast ausschließlich aus Beobachtungen, die in Höhlen gemacht wurden.
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| Bild: Brunnenschnecken Aufnahme: Hans Sibbert |
Im Schlammgrund der Höhlengewässer findet man zu Hunderten die leeren Gehäuse der nur 2 bis 3 mm großen Brunnenschnecken der Gattung Bythiospeum. Die nächsten Verwandten dieser Grundwasserschnecken sind Meeresbewohner. Man geht daher davon aus, dass die Brunnenschnecken Relikte einer längst erloschenen Fauna eines Meeres sind, das im Tertiär weite Teile Süddeutschlands bedeckte.
Die bekanntesten Grundwassertiere in unseren Breiten sind die Höhlenflohkrebse der Gattung Niphargus, die man in unseren Wasserhöhlen noch häufig finden kann. Sie werden bis zu 2 cm lang und ernähren sich sowohl von toter organischer Substanz als auch räuberisch von Kleintieren.
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| Bild: Grottenolm (Proteus anguinus) Aufnahme: Helmut Schlierf |
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| Bild: Abguß eines Grottenolms in beleuchteter Vitrine. Aufnahme: Jochen Duckeck |
Der in den Höhlengewässern Sloweniens vorkommende Grottenolm (Proteus anguinus) ist ein blinder Verwandter der Salamander und Molche. Er ernährt sich von Krebstieren und Würmern, die er mit seinem gut ausgeprägten Geruchssinn am Gewässergrund aufspürt. Grottenolme können sehr lange ohne Nahrung auskommen. Die Tiere erreichen die Geschlechtsreife erst mit 10 bis 12 Jahren und werden nachweislich bis zu 58 Jahre alt!
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| Bild: Verbreitungskarte des Grottenolms |
Sein isoliertes Höhlenvorkommen weist den Grottenolm als Relikt einer tertiären Amphibiengruppe aus, die heute bis auf weltweit 6 Arten ausgestorben ist. Sein natürliches Verbreitungsgebiet sind die Höhlen Sloweniens, die Karstregion um Triest und die Höhlengebiete entlang der kroatischen Adriaküste. Außerdem gibt es auch Vorkommen von ausgesetzten Tieren, z.B. in den französischen Pyrenäen bei Moulis. Die nächsten Verwandten des Grottenolms leben in Nordamerika.
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