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| Bild: Der Höhlenbär im nächtlichen Kampf mit Rul, dem Vater von Rulaman (Lebensbild von Heinrich Leutemann) |
Jetzt richtete sich der Bär an dem Stamme auf. Beinahe so hoch wie zwei Männer stand er da und glotzte das Licht an. Seine linke Pratze hing lahm herunter, die rechte aber streckte er hoch empor, und beinahe konnte er Ruls Füße erreichen ...
"Beuge dich herunter und halte mich fest um den Hals!" rief Rul in seiner verzweifelten Lage Repo zu. Gesagt, getan. - Rul ward festgehalten und hatte jetzt seinen linken Arm frei. Da umfaßte der Bär mit seinem rechten Arme den Baum, um ihn herunterzureißen: aber schon sauste auch Ruls Steinaxt auf seine Pratze nieder. Brüllend vor Schmerz und Wut stürzte das Tier, das nun vorne ganz hilflos geworden, nach der Seite über und riß im Fallen den Baum mit sich hinunter ...
Doch glücklicherweise rutschte der Baum nur langsam an der Felswand hinab; die Last des Bären selbst drückte ihn an den Felsen, was ein rasches Fallen unmöglich machte. So kamen die Männer alle, die noch am Baume hingen, wohlbehalten unten an, indem sie, ehe der Baum ganz zur Erde kam, hinuntersprangen.
Die beiden Ungetüme lagen jetzt hart beieinander, der Burria tot, der Höhlenbär, der ihm an Größe beinahe nichts nachgab, brüllend und hilflos sich wälzend, daneben.
Rul atmete auf und brach unwillkürlich in lauten Siegesjubel aus. -
Der kleine Rulaman hatte, oben auf dem Felsrand liegend, mit klopfendem Herzen alles beobachtet. Mit keinem Laut verriet er seine furchtbare Angst um den Vater. Jetzt aber, als er dessen Stimme erkannte, zitterte er vor Freude und rief laut hinunter: "Rulaba, Rulaba, lebst du noch?"
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| David Friedrich Weinland (1829-1915) Gemälde: Louise von Martens |
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| Bild: die aktuelle Ausgabe des Rulaman steht Besuchern zum Probelesen zur Verfügung. |
Der Kampf mit dem Burria, dem Höhlenlöwen, und mit dem Änak, dem Höhlenbären, wird in den Kapiteln 5 und 8 geschildert. Der Höhlenbär selbst ist nach dem Wissensstand von 1878 ausführlich in Kapitel 8 und den zugehörigen Anmerkungen dargestellt.
Das dramatische Geschehen, nebenstehend wiedergegeben nach der 11. Auflage (um 1920), kann man in der neuen Ausgabe von 2001 auf Seite 81 selbst nachlesen.
David Friedrich Weinland (1829-1915), der 27-jährig als Naturforscher auf Haiti weilte, verstand es wie kein zweiter, die Erkenntnisse der Wissenschaft einem großen Kreis nahe zu bringen. Nicht nur für schwäbische Leser ist sein der Jugend gewidmeter Rulaman von 1878 noch immer ein fesselndes, ja ergreifendes Buch.
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