...und Bärenhöhlen
 |
 |
Bild: Höhlenbärenhöhle im Lonetal
Ein heutiger Künstler gestaltete dieses Lebensbild nach Erkenntnissen der
Wissenschaft und Kunstwerken aus der Altsteinzeit.
Es zeigt einen Höhlenbären vor der Bärenhöhle im Hohlenstein des Lonetals.
Oscar Fraas führte dort 1861 die erste wissenschaftliche Höhlengrabung auf der
Schwäbischen Alb durch mit dem Ziel, Aufschluss über die Lebensverhältnisse
dieser ausgestorbenen Tierart zu gewinnen.
Jahre später erkannte er, dass auch die Menschen der Altsteinzeit in der Höhle
Spuren ihrer Anwesenheit hinterlassen hatten.
Gemälde: Richard Kiwit, Staatl. Museum für Naturkunde Stuttgart
|
 |
 |
Bild: Bärentatzen
Wie Braunbären, die in Karstgebieten sogar heute noch gerne Höhlen aufsuchen,
hinterließen einst die Höhlenbären im weichen Lehm ihre Pfotenabdrücke.
Doch nur unter günstigen Umständen blieben solche Spuren bis heute erhalten,
zum Beispiel, wenn sie versinterten.
Auf dem Bild aus einer Höhle bei Bruniquel in Frankreich sieht man deutlich
den gut 20 cm breiten Abdruck des Hauptballens und davor die Vertiefungen der
fünf Zehenballen.
Die langen Krallen hinterließen besonders tiefe Marken.
Aufnahme: Michel Soulier
|
Wegen seiner pflanzlichen Hauptnahrung war der Höhlenbär vermutlich nicht das
"Ungeheuer der Eiszeit", wie in populären Darstellungen zu lesen ist.
Doch hat es Begegnungen mit unterschiedlichem Ausgang zwischen diesem wehrhaften
Wild und den Menschen der Vorzeit vielfach gegeben.
Von Kämpfen, aus denen die Eiszeitjäger als Sieger hervorgingen, zeugen
einerseits zahlreiche Werkzeuge aus Stein und Bein in den Bärenhöhlen,
andererseits stark zertrümmerte Höhlenbären-Knochen in den ausgegrabenen
Jägerlagern.
Dazu kommen schließlich aus der jüngeren Altsteinzeit frühe künstlerische
Darstellungen des Höhlenbären, die selbst heute noch eine wertvolle Grundlage
bilden für alle Versuche, das einstige Aussehen dieser ausgestorbenen Tiere zu
rekonstruieren.
Ungefähr 250.000 Jahre sind die ältesten "echten" Höhlenbären alt.
Warum die Art dann nach ihrer langen Lebenszeit vor rund 16.000 Jahren ausstarb,
ist nicht bekannt.
Vermutlich wurden ihr die starken Klimaschwankungen gegen Ende des Eiszeitalters
zum Verhängnis, denn wegen der speziellen Ernährungsweise konnten sich die
Höhlenbären nicht rasch genug an immer wieder neue Umweltbedingungen anpassen.
 |
 |
Bild: Geglättet vom schmutzigen Pelz
In manchen Bärenhöhlen wirken hervorstehende Ecken und Kanten oder ganze
Wandpartien wie poliert.
Die Glättung der Felswände ist nach den Untersuchungen von Oscar Fraas in der
Bärenhöhle im Lonetal, aus der das ausgestellte Stück stammt, "eine Arbeit des
Bären, der seinen schmutzigen Pelz an den Wänden rieb".
Vermutlich waren solche Stellen zugleich Geruchsmarken und dienten den
Höhlenbären zur Orientierung in absoluter Dunkelheit.
Aufnahme: Jochen Duckeck
|
 |
 |
Bild: Jagdmagie an der Höhlenwand
In den eiszeitlichen Bilderhöhlen sind Höhlenbären ein seltenes Motiv.
Die 1994 entdeckte, auch als Bärenhöhle bedeutende Grotte Chauvet im Tal der
Ardèche in Frankreich enthält sogar mehrere Darstellungen, deren Profil
eindeutig den Höhlenbären mit seinem charakteristischen Knick zwischen Stirn
und Schnauze erkennen lässt.
Ungefähr 20.000 Jahre alt sind diese Kunstwerke, möglicherweise sogar
wesentlich älter.
Ihnen wurde das Bild auf einem Weißjura-Kalkstein von der Schwäbischen Alb
nachempfunden.
(Darstellung nach Fotos aus der Grotte Chauvet von Beatrix Hellwage-Rathgeber)
Aufnahme: Jochen Duckeck
|
 |
Bild: Der Unterschied liegt nicht in der Größe allein
Zwischen den nahe verwandten Arten Braunbär und Höhlenbär bestehen
Unterschiede, die in erster Linie am Skelett feststellbar sind.
Sie treten aber auch, wie die Darstellungen der Eiszeitkunst sogar bildlich
zeigen, im Äußeren in Erscheinung.
Die unterschiedlichen Körpergrößen dagegen beruhen auf Durchschnittswerten,
denn es sind ja sowohl Braunbären von Riesenwuchs, wie im Norden von Asien und
Amerika die Kamtschatka-, die Kodiak- und die Grizzly-Bären, als auch kleine
Höhlenbären, wie die hochalpinen Kleinformen, bekannt.
Verändert nach Grzimeks Tierleben (1979) und Tongiorgi
& Lamboglia (1983)
|