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Höhlenbären...


Aufgrund zahlloser Funde von fossilen Bärenknochen werden viele Höhlen in weiten Teilen Europas als Bärenhöhlen bezeichnet. Bereits im 18. Jahrhundert erkannte man, dass es sich dabei um Reste von sehr großen Bären handelt, die vom Braunbären, aber auch von allen anderen heutigen Bärenarten verschieden sind. Die Unterschiede beruhen nicht auf der Größe allein, denn vom nahe verwandten Braunbären unterscheiden sich die Höhlenbären im Größenverhältnis der Gliedmaßen, im Schädelbau und im Gebiss.


Bild: Ein echter Europäer
Mit einer Verbreitung vom Atlantik im Westen bis zum Ural im Osten war der Höhlenbär völlig auf Europa beschränkt. Die Karstgebiete im Süden von England und der Harz bildeten die Nordgrenze, die Südgrenze verlief an den europäischen Gestaden von Mittelmeer und Schwarzem Meer. Aus dem Alpenraum wurden neben den Höhlenbären normaler Größe, zum Beispiel vom Drachenloch bei Mixnitz in der Steiermark, aus Höhlen in Höhen über 1.600 m auch sogenannte "hochalpine Kleinformen" bekannt. Die höchstgelegene Höhlenbären-Fundstelle ist mit 2.800 m die Conturineshöhle in den Dolomiten.

Bild: Urvater des Höhlenbären
Berühmt wurde ein Schädelfund aus der Zoolithenhöhle in der Fränkischen Schweiz. Auf ihm beruht seit Ende des 18. Jahrhunderts die Art Höhlenbär mit ihrem wissenschaftlichen Namen Ursus spelaeus.

Besonders die Zähne lassen erkennen, dass sich diese großen Raubtiere erstaunlicherweise vor allem von Pflanzen ernährten. Solche Kost stand ihnen ja nicht nur in den warmen, sondern auch in kalten Abschnitten des Eiszeitalters genügend zur Verfügung, in letzteren allerdings nur im Sommer. In der kalten Jahreszeit war die Nahrung knapp, so dass die Höhlenbären den Winter in Ruhe überdauern mussten. Als Winterquartier haben sie gleichmäßig temperierte Höhlen bevorzugt. Der Höhlenbär führt also seinen Namen zu Recht, denn er war wie keine zweite der großen Tierarten des Eiszeitalters mit dem Lebensraum Höhle verbunden. Die trächtigen Weibchen brachten hier während der Winterruhe sogar ihre Jungen zur Welt, die sie in den ersten Wochen nur aufgrund der im Herbst gespeicherten Fettvorräte säugen konnten.

Bild: Trittsiegel der linken Vorderpfote des Höhlenbären. Breite bis zu 17 cm, Schrittlänge 80-110 cm.
Zum Vergleich: Fährte des heutigen europäischen Braunbären Ursus arctos.
Verändert nach Brown et al. 1985.

Die Unzahl an Bärenknochen und -zähnen, die in Höhlen gefunden oder ergraben wurden, stammt hauptsächlich von Tieren, die während der langen Winterruhe an Ort und Stelle gestorben sind. Spektakuläre Ereignisse, wie Versturz, Überschwemmungen oder gar Seuchen dürfen nicht für die Knochenanhäufungen verantwortlich gemacht werden, sie sind allein das Ergebnis der langen Besiedlungsdauer. Anschaulich zeigen das die Werte aus der Sibyllenhöhle (Schwäbische Alb), deren Sedimente in einem Zeitraum von rund 6.000 Jahren entstanden; in ihnen fand man an die 100 Bären, so dass im Durchschnitt dort nur alle 60 Jahre ein Höhlenbär ums Leben kam.


Als besondere Lebenszeugnisse der Höhlenbären sind aus einigen Höhlen sogar Trittsiegel im Höhlenlehm und kesselartige, zum Schlafen zurechtgeformte Kuhlen bekannt, außerdem Kratzmarken und sogenannte Bärenschliffe an den Höhlenwänden.