Ein Höhlenbesuch mit Kindern

0. Ausstellung im Keller

Bild: die Ausstellung zur Tiefenhöhle.

Herzlich willkommen in der Laichinger Tiefenhöhle. Das ist die spezielle Kinderführung!

Wir sind hier im Keller in einer kleinen Ausstellung über die Laichinger Tiefenhöhle. Hier seht ihr auch den Entdecker der Höhle, Johann Georg Mack aus Laichingen. Sein Bild ist auf der Glasplatte mitten im Raum.

Wenn ihr vorhin auf dem Spielplatz gewesen seid, habt ihr vielleicht die vielen Löcher zwischen den Bäumen gesehen. Die hat dieser Mann gegraben, als er nach Sand gesucht hat. Ihr denkt jetzt vielleicht, Sand ist doch nichts wertvolles, aber die Geschichte ist ja auch schon vor über hundert Jahren passiert, und damals war Sand bei uns noch viel mehr wert als heute.

Der Johann Georg Mack hat einen ganzen Tag gearbeitet um einen großen Haufen Sand aus dem Boden zu graben. Abends war er sehr zufrieden und ist nach Hause gegangen. Doch am nächsten Morgen, als er wiederkam, war sein Sandhaufen verschwunden. Er dachte sofort an Diebe!

Am nächsten Abend wollte er auf Nummer sicher gehen und hat auf seinem neuen Sandhaufen übernachtet. Aber in der Nacht kamen keine Diebe und der Sand war trotzdem verschwunden. Da hat er dann überlegt, daß sein Sand in eine Spalte im Fels verschwunden sein muß.

Er hat ein bischen gegraben und eine enge Spalte gefunden. Und weil die so eng war daß kein Erwachsenener durchgepaßt hat, hat er seinem 14 jährigen Sohn Ulrich ein Seil um den Bauch gebunden und ihn mit einer Laterne hineingeschickt, er soll mal nachschauen was es da drin gibt.


Bild: der Entdeckerspalt, Blick nach unten.

1. Entdeckerspalt

Hier am Entdeckerspalt ist es eng! Der eigentliche Eingang ist rechts oberhalb der Tafel mit der 1 drauf. Ihr seht wie eng das ist! Da ist es kein Wunder, daß da nur Kinder durchgepaßt haben.

Ulrich Mack war damals 14 Jahre alt und recht klein und schlank. Und er war auch sehr mutig, in eine Spalte hineinzusteigen, in der noch niemand vorher drin war!

Hier wo wir jetzt stehen ist er in die Höhle gekommen und dann ist er in den Schacht hinter dem Geländer hinuntergestiegen. Ihr seht wie steil das ist, da haben ihn wahscheinlich die Männer die außen gestanden sind am Seil hinuntergelassen.

Wir gehen jetzt aber außen herum, für uns ist der Weg zu steil.


2. Sandhalle

Bild: der Weg von der Sandhalle in die Große Halle.

Diese Halle heißt Sandhalle, und das obwohl es hier gar keinen Sand gibt. Dafür gibt es viel Dolomit, so heißt dieser Stein mit den vielen Löchern, der aussieht wie Schweizer Käse! Dieser Stein zerfällt zu Sand, genau der Sand, den der Sand-Mack oben gesucht hat. Ihr könnt mal die Wand anfassen, dann merkt ihr, daß der Fels sich sandig anfühlt. Und deshalb heißt diese Halle Sandhalle.

Hier gibt es auch noch einen kleinen Seitengang, in den ihr gerne reinschauen dürft. Er hört aber leider schon nach der ersten Kurve auf.

Gegenüber seht ihr eine Mauer mit einem Schacht darüber. Das ist der Schacht vom Entdeckerspalt herunter. Hier ist Ulrich Mack heruntergekommen, und weil damals die Wege und Leitern noch nicht da waren, ging es direkt weiter zur Großen Halle.

Auch wir gehen jetzt zur Großen Halle hinunter. Ihr seht, daß wir drei steile Eisentreppen hinuntergehen müssen. Ihr müßt diese Treppen sehr vorsichtig hinuntergehen und Euch mit beiden Händen gut festhalten, auch wenn die Geländer ein bischen kalt sind. Am besten geht ihr rückwärts, so wie man eine Leiter steigt.


Bild: die Große Halle

3. Große Halle

Jetzt sind wir in der Großen Halle, dem größten Raum der Höhle. Hier gibt es riesige Steinblöcke, die von der Decke herunter gefallen sind. Zum Glück ist das schon sehr lange her, und heute passiert nichts mehr. Die Decke hat heute eine Form wie ein Gewölbe und das ist sehr stabil.

Die Mitte der Halle ist abgesperrt. Das ist notwendig damit da niemand reinläuft, denn der Boden besteht aus ganz gefährlichem Höhlenlehm! Wenn man da reingeht zieht der Lehm einem zuerst die Schuhe und dann die Strümpfe aus, und dann muß man die restliche Höhle barfuß besichtigen!

Und wenn ihr die Wand gegenüber anschaut, seht ihr daß hier früher mal ein See drin war. An der Wand sieht man die Wasserstandsmarken, das sind Rillen und schwarze Striche, die zeigen wie hoch das Wasser hier gestanden ist.


4. Die Kleine Halle

Bild: die Kleine Halle

Jetzt sind wir ganz unten, 55 Meter tief unter der Erde. Aber die Führung ist noch lange nicht vorbei. Wir müssen ja jetzt den ganzen Weg wieder hinauf!


Habt ihr gemerkt, daß es hier ganz anders ist als in der Großen Halle? Hier gibt es kein Tropfwasser!

In der Großen Halle hat es immer von der Decke getropft, und die Tropfen haben sogar kleine Löcher in den Betonboden des Weges gemacht. Aber hier gibt es eine Lehmschicht über der Halle, die wasserdicht ist. Deshalb gibt es hier gar kein Tropfwasser.


Bild: der Gletschermühlenschacht

5. Gletschermühlenschacht und Ostschacht

Wir sind jetzt eine Treppe heraufgestiegen. Ab hier kommen einige große Schächte. Wegen diesen Schächten heißt die Tiefenhöhle Tiefenhöhle. Das ist ein alter Name, den die Erforscher sich vor über hundert Jahren ausgedacht haben, weil die Höhle tief hinunter geht. Heute würde man Schachthöhle sagen.

Der linke Schacht sieht ganz wild aus, mit so vielen Bögen und runden Ausbuchtungen. Hier ist vor langer Zeit ein unterirdischer Wildbach durchgeflossen und hat die Wände so glattgewaschen. Wenn in den Alpen ein Gletscher schmilzt, dann entsteht ein Wildbach, und der wäscht ein ganz ähnlich geformtes Bachbett aus. Manchmal bohrt so ein Wildbach auch ein Loch in den Boden, das man Gletschermühle nennt. So kam dieser Schacht zu seinem Namen: Gletschermühlenschacht.

Der Schacht rechts daneben heißt Ostschacht. Er sieht ganz anders aus, weil hier kein Wildbach war, sondern das Wasser immer an der Wand herunter gelaufen ist. Dadurch sind in der Wand Rillen entstanden, die Karren heißen. Sie sehen aus wie wenn eine Säure hier herunter gelaufen wäre und die Wand zerfressen hätte. Und tatsächlich hat das Wasser auch eine Säure, nämlich die Kohlensäure, die ihr aus dem Sprudel kennt. Natürlich wißt ihr, daß diese Säure nicht sehr schlimm ist, die ist so schwach, daß man Sprudel ohne Problem trinken kann. Das Wasser hier hat so wenig Säure, daß es noch nicht mal blubbert, deshalb hat es auch unheimlich lange gedauert, bis sich diese Rillen gebildet haben.


6. Streuselkuchengang

Bild: Perlsinter.

Mögt ihr Streuselkuchen? Wir kommen jetzt in den Streuselkuchengang, und da sind alle Wände und die Decke voller Streuselkuchen. Ihr müßt euch auch mal herumdrehen und nach oben schauen, damit ihr das gut seht!

Von dem Streuselkuchen dürft ihr aber nichts abbeisen, der ist so hart, daß eure Zähne kaputt gehen. Dieser Streuselkuchen ist in Wirklichkeit Tropfstein.


Bild: 100 Meter Schacht

7. 100 Meter Schacht

Hier im 100-Meter-Schacht geht es in das untere Stockwerk der Tiefenhöhle.

Die Jugendgruppe von unserem Verein klettert da immer hinunter. Hier wo wir stehen gibt es einen Haken in der Wand, da macht man ein Seil fest und seilt sich ab. Da unten seht ihr Kiesboden, dort kommt man an und dann geht ein zweiter Schacht noch tiefer hinunter. Und ganz unten kommt ein kleiner See mit ganz kaltem Wasser. Hinaufsteigen tut man aber woanders, da geht es durch niedrige Gänge, durch die man auf dem Bauch kriechen muß, und durch enge Schächte hinauf.

Die Erforscher haben den Schacht 100-Meter-Schacht genannt, weil sie gehofft haben 100m tief zu kommen. Aber als man später nachgemessen hat, waren es bloß 80 Meter. Das ist zwar keine so schöne runde Zahl, aber immerhin entspricht das etwa einem 25 Stockwerke hohen Haus.


8. Nasser Schacht

Bild: Nasser Schacht

Ihr wißt sicher bereits, warum dieser Schacht Nasser Schacht heißt! Natürlich weil es hier immer so naß ist und tropft. Hier muß man ein bischen suchen, bis man einen Platz findet wo es einen nicht auf den Kopf tropft.

Etwas ganz besonderes sind die Tropfsteine. Wir haben in unserer Höhle nicht sehr viele Tropfsteine, aber hier gib es ein paar. An einer Stelle sind sie abgebrochen, und da sieht man wie Tropfsteine von innen aussehen. Sie haben viele Schichten, wie eine Zwiebel. Manche Schichten sind durchsichtig, manche sind weiß und manche braun. Die weiße Farbe sind Luftbläschen im Stein, die braune Farbe ist Rost.


Bild: Vesperhalle

9. Vesperhalle und Ausgang

Ab jetzt geht es viele Treppen hinauf bis wir wieder oben sind. Manchmal ist es ein bischen eng, aber den Kindern macht das nicht viel aus, nur die Erwachsenen haben da Probleme.

Wenn ihr zwei Eisentreppen hinaufgestiegen seid, könnt ihr in einem kleinen Schacht rechts oben schöne weiße Tropftseine sehen. Die sehen aus wie ein Wasserfall, und heißen deshalb auch Wasserfall. Der erste der hinkommt muß das Licht einschalten. Das ist normalerweise aus, damit keine Pflanzen auf den Tropfsteinen wachsen.

Ganz am Schluß kommt ihr noch in einen Schacht der aussieht wie ein Treppenhaus. Er wurde von oben mit einem Bagger gegraben, weil die Höhle eigentlich 13 Meter tief aufgehört hat. Deshalb mußte man von oben 13 Meter hinunter baggern um diesen Ausgang zu bauen.


Wenn ihr oben angekommen seid, könnt ihr euch die Hände waschen. Hier gibt es auch Körbe für die Gamaschen. Wir hoffen die Höhle hat euch gefallen.