Wo ist der Weg, den ich muß gehen
Nach einer 1988 entdeckten Handschrift von Daniel Mangold, Seite 14 und 15.
- Wo ist der Weg, den ich muß gehen, wenn ich gen Himmel
kommen soll? Wer ist nun so erbarmungsvoll daß er mich
folgen lässet schon? Sagt an ihr Wächter und ihr Hirten, wo
finde ich die rechte Spur? Ach zeiget sie doch dem
Verirrten, ich fordere nichts, ich folge nur.
- Doch seid ihr etwa blind und heiter, so mag ich trum mit
euch nicht gehen. Auch so ihr pflegt am Weg zu stehen, wie
Säulen und geht selbst nicht weiter, so kann ich euch auch
nicht vertrauen. Ich täte gern gewisse Tritt und möchte gern
die Fußstapfen schauen, daß der mich führt von Schritt zu
Schritt.
- Beweist ihr aber mit dem Wandel, was ihr mit Mund und Singen
weißt, so seh ich, daß ihr seid geweißt und schließe bald
mit euch den Handel. Ich folge auch wie ihr dem Weg, wie ihr
selbst gefolget seid.
Ich trete ab vom falschen Wege aller
- So sagt nun her ob jener breite der richtge Weg zum Leben
sei? Ich seh zwar dort schon viele frei in lauter Lust und
lauter Freude, doch glaub ich nicht, daß ihre Seelen in
wahrer Ruh und Frieden stehn. Sagt, ob sie nicht das Ziel
verfehlten und zu der Hölle schnell hin gehn?
Ungerechtigkeit.
- Ich traue diesen engen Pforten und diesem schmalen mehr; ach
wann ich nur auf solchen wär und folgete den Lebens worten.
Ich seh zwar da viel Dornenhecken, hergan gen wenig wandern.
Doch laß ich mich so bald nicht schrecken, ist's nicht der
rechte Weg ja der?
- Wen sah ich aber dort von ferne gekrönt und mit des kreuzes
Last, die er so tapfer aufgefaßt, ist dieser nicht der Fürst
des Lebens? Der dieses Weges Meister ist, ach sagt's, ich
frage nicht vergebens, ist's nicht selbst mein Herr Jesu
Christ?
- Ja ja laßt uns auf ihn sehen, er ist's der Erz getreue Hirt,
der uns auf rechter Straße führet. Ich will ihm wie ein
Schafnach gehen. Doch dring ich erst durch diese Pforte, der
wo auch von Herzen büße. Wie auch sollt ich aus seinen
Worten nicht gläubig worden sein.
- Ach ach ich fühl die Last der Sünden, wie komm ich durch die
enge Tür? Nimmt Jesus nicht die Schuld von mir, läßt er auch
nicht erst Gründe finden, trägt er auch nicht auf seinem
Rücken. Ja ruft er mich nicht mit Wort und Schrift, komm her
ich will dich wohl erzücken, so bleib ich lahm und laufe
nicht.
- Jedoch ich glaube, daß er aber den kreuzes weg betreten hat,
daß er sich selbst von Gottes Gnade für mich zum Opfer
möchte geben. Nehm ich ihn an zur Gabe, so weiß ich, daß ich
ihn zugleich auch zum Exempel habe. Ist's nicht so, sagts,
ich frage euch?