Wo ist der Weg, den ich muß gehen

Nach einer 1988 entdeckten Handschrift von Daniel Mangold, Seite 14 und 15.

  1. Wo ist der Weg, den ich muß gehen, wenn ich gen Himmel kommen soll? Wer ist nun so erbarmungsvoll daß er mich folgen lässet schon? Sagt an ihr Wächter und ihr Hirten, wo finde ich die rechte Spur? Ach zeiget sie doch dem Verirrten, ich fordere nichts, ich folge nur.

  2. Doch seid ihr etwa blind und heiter, so mag ich trum mit euch nicht gehen. Auch so ihr pflegt am Weg zu stehen, wie Säulen und geht selbst nicht weiter, so kann ich euch auch nicht vertrauen. Ich täte gern gewisse Tritt und möchte gern die Fußstapfen schauen, daß der mich führt von Schritt zu Schritt.

  3. Beweist ihr aber mit dem Wandel, was ihr mit Mund und Singen weißt, so seh ich, daß ihr seid geweißt und schließe bald mit euch den Handel. Ich folge auch wie ihr dem Weg, wie ihr selbst gefolget seid. Ich trete ab vom falschen Wege aller

  4. So sagt nun her ob jener breite der richtge Weg zum Leben sei? Ich seh zwar dort schon viele frei in lauter Lust und lauter Freude, doch glaub ich nicht, daß ihre Seelen in wahrer Ruh und Frieden stehn. Sagt, ob sie nicht das Ziel verfehlten und zu der Hölle schnell hin gehn? Ungerechtigkeit.

  5. Ich traue diesen engen Pforten und diesem schmalen mehr; ach wann ich nur auf solchen wär und folgete den Lebens worten. Ich seh zwar da viel Dornenhecken, hergan gen wenig wandern. Doch laß ich mich so bald nicht schrecken, ist's nicht der rechte Weg ja der?

  6. Wen sah ich aber dort von ferne gekrönt und mit des kreuzes Last, die er so tapfer aufgefaßt, ist dieser nicht der Fürst des Lebens? Der dieses Weges Meister ist, ach sagt's, ich frage nicht vergebens, ist's nicht selbst mein Herr Jesu Christ?

  7. Ja ja laßt uns auf ihn sehen, er ist's der Erz getreue Hirt, der uns auf rechter Straße führet. Ich will ihm wie ein Schafnach gehen. Doch dring ich erst durch diese Pforte, der wo auch von Herzen büße. Wie auch sollt ich aus seinen Worten nicht gläubig worden sein.

  8. Ach ach ich fühl die Last der Sünden, wie komm ich durch die enge Tür? Nimmt Jesus nicht die Schuld von mir, läßt er auch nicht erst Gründe finden, trägt er auch nicht auf seinem Rücken. Ja ruft er mich nicht mit Wort und Schrift, komm her ich will dich wohl erzücken, so bleib ich lahm und laufe nicht.

  9. Jedoch ich glaube, daß er aber den kreuzes weg betreten hat, daß er sich selbst von Gottes Gnade für mich zum Opfer möchte geben. Nehm ich ihn an zur Gabe, so weiß ich, daß ich ihn zugleich auch zum Exempel habe. Ist's nicht so, sagts, ich frage euch?