Rundgang durch das Weberei- und Heimatmuseum

Jaquard Webstuhl

Bild: Detail der Lochkarten Lesemechanik.
Bild: Jaquard Webstuhl aus Holz.

Die Textilindustrie war immer äußerst arbeitsintensiv, gleichzeitig aber auch recht einfach zu automatisieren. So ist es nicht verwunderlich, daß ein wesentlicher Schritt der industriellen Revolution, die Automatisierung der Textilherstellung war.

Bei der Automatisierung der Webstühle wurden die grundlegenden Technologien für die Computertechnologie entwickelt. Insbesondere die Lochkarten des Jaquard-Webstuhls, die zur Steuerung des Musters dienten, waren in den Sechziger Jahren das wichtigste Medium zur Eingabe von Daten in den Computer.

Bereits im Jahr 1728 baute der französische Mechaniker Falcon einen Webstuhl der von einem mit Löchern versehenen Brettchen gesteuert wurde. Entscheident verbessert wurde diese Erfindung von Joseph-Marie Jaquard (1752-1834), ebenfalls einem Franzosen. Sein Webstuhl von 1805 wurde bereits von Lochkarten im wahrsten Sinn des Wortes gesteuert. Die Löcher waren auf Papp-Karten untergebracht, die wiederum mit Schnüren zu einem Band, einer Art Lochstreifen verbunden wurden, der das Programm des Webstuhls darstellte.


Bild: Die Steuerung des Jaquard Webstuhls.
Bild: Maschine zur Herstellung von Lochkarten.

Die Karten wurden von einer Mechanik transportiert und nacheinander in eine Abtastvorrichtung gelegt. Dadurch wurden die Positionen der Kettfäden (oben, unten) gesteuert, was wiederum ein bestimmtes Muster im Stoff erzeugte. Im Bild sieht man die Lochkarten oberhalb des Webstuhls angebracht, das Band der Karten hängt auf der linken Seite herunter. Der Abtaster befindet sich oben in der Mitte, von hier aus übertragen Drähte und Schnüre die Information nach unten.

Da das Programm nur eine begrenzte Länge hatte, wurde das Ende mit dem Anfang verbunden und das Programm konnte so unbegrenzt laufen. Entsprechend wurde auch ein immer wiederkehrendes Muster gewoben.

Die Erzeugung von Stoffen mit beliebig kompliziertesten Mustern war möglich, gleichzeitig konnten die Webstühle aber auch von angelernten Hifskräften bedient werden. Bereits 1812 waren in Deutschland über 10.000 Jaquard-Webstühle in Betrieb, und auch heute noch beruht jede Webmaschine in gewisser Weise auf Jaquards Erfindung.